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This article was written on 11 Mrz 2013, and is filled under Allgemein, Fotografie, Lifestyle.

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Shooting time.

Shooting Oliver Reetz Photography

„Können wir vielleicht noch ein bisschen was an deiner Mimik machen?“, „Die Haare haben nicht genug Volumen!“, „Sind die Nägel eigentlich farblich auf den Lippenstift abgestimmt? Kannst du die mal mit in’s Bild bringen?!“

Es war nicht mein erstes Shooting, allerdings wohl das, was mir am längsten in Erinnerung bleiben wird. Eine Bekannte schrieb mich über facebook an. Wir kannten uns bereits von dem Plattencover-Shooting für Mimie Crie, sie war die Stylistin. Auf der Suche nach einem Model für eine Zwischenprüfung, fragte sie mich, ob ich Lust hätte mich von ihr stylen und anschließend im Studio kurz shooten zu lassen. Thema: Beauty.

Meine Zweifel, ob ich das wirklich kann, wurden von einem „musst theoretisch auch nur in die kamera gucken und das war es auch schon!“ platt gemacht. Nach 3 – 4 Stunden reiner Styling-Zeit erkannte ich mein Spiegelbild selbst kaum wieder. Das gleiche beobachtete ich bei den anderen Mädchen. Angehende Models, die von ihren Agenturen zu dem Test-Shooting geschickt wurden, um ihre Mappen mal wieder auf den neuesten Stand zu bringen. Junge, unscheinbare und groß gewachsene Mädchen, die sich zu unnahbaren Schönheiten verwandelten. Vor der Kamera wird die perfekte Fassade aufgesetzt und eine Pose nach der anderen abgespult. Wer Glück hat, darf dem Fotografen die Nummer da lassen „vielleicht hab‘ ich mal was für dich“.

Dann stehe ich in dem grellen Scheinwerferlicht. Für mein Empfinden umgeben von viel zu vielen Menschen. Der Fotograf beachtet mich kaum, gibt keine Anweisung, knipst drauf los und checkt mit seinen Assistentinnen auf zwei Bildschirmen die Ergebnisse. Hier muss eine Locke korrigiert werden, da eine kleine Kante an meinen Lippen. Ich versuche taff zu bleiben und mitzuspielen. Und fühle mich dabei eher hilflos. Ich fühle mich wie bei Germany’s next Topmodel. Es wird untereinander getuschelt, kritisch werden die ersten Bilder begutachtet, bis sich jemand an mich wendet und mir Hilfestellung leistet.

Wie ein Blick hinter die Kulissen war mein Eintauchen in die Model-Welt. Wer dabei sein will muss hart im Nehmen sein, nicht nur, wenn es um die Kritik am eigenen Erscheinungsbild geht. Wenn es um’s Business geht, geht die Menschlichkeit flöten. Nett aussehen reicht da nicht. Das fängt an bei der Erstbegutachtung nach dem Ankommen im Studio an, geht weiter mit dem stundenlangen sitzen und hört auf mit dem Moment vor der Kamera. Stimmt die Chemie zwischen Fotograf und Modell nicht, ist das Shooting ein harter Kampf.

Mein Glück also, dass der Fotograf zu einem wichtige(gere)n Termin muss und die zwei Assistentinnen einspringen. Nette Mädels, die meine Unsicherheit erkennen und mir mit kleinen Tipps unter die Arme greifen: Nicht direkt in die Kamera schauen, auch nicht zu weit dran vorbei, man sieht zu viel Augenweiß; Die Hände spielerisch mit in’s Bild einbringen, dabei aber nicht das Gesicht berühren, das macht unschöne Formen …

In Gedanken war ich bei den Models der Fashion Week, die zeitgleich statt fand. Drei Stunden Styling für drei Minuten Runway-Zauber. Die Modewelt ist ein verrückter Zirkus, in dem alles nach eigenen Gesetzen läuft: Schein und Sein. Ich bin froh, dass ich einen Einblick in diese Welt bekommen habe. Hinter der Illusion, die uns ständig vermittelt wird, steckte eine harte Branche, die viel Willen und Energie fordert. Letztendlich ist es wie mit jedem anderem Job: Wer nach ganz oben will, muss alles geben und viel einstecken. Ein Model ist wie ein Gegenstand, dessen Fassade je nach Situation entsprechend zurecht gemacht werden muss. Die Persönlichkeit interessiert höchstens bei einem kleinem Small-Talk.

„Heute habe ich leider kein Foto für dich“, hätte Heidi vermutlich gesagt und mir bleibt die Erkenntnis, dass ich lieber unbezahlt mit Fotografen arbeite, die mir aus meinem Umfeld bekannt sind. So lange der Spaß und nicht das Geld im Vordergrund steht, schlüpfe ich weiterhin gerne in mein gestyltes Ich. Auch wenn das mal drei Stunden dauert.

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12 Kommentare

  1. Sue
    12. März 2013

    Oh meine Güte, man erkennt dich kaum!
    Sieht aber wirklich toll aus, aber nicht eben ein Alltagslook, was? :)
    Die Haare sind wirklich toll, große Locken stehen dir sehr gut!

    Aber jetzt hast du tolle Fotos, die du immer rumzeigen kannst oder dich einfach nur an ihnen erfreuen kannst.

    Liebe Grüße!

    • anastasiacharlotte
      12. März 2013

      Danke! Ich wünschte, ich würde so phänomenale Locken selbst hinkriegen. Die wurden einzeln über den Lockenstab gelegt und dann erstmal fest gepinnt. Eine Wahnsinns-Arbeit …
      Und klar, über das Foto freue ich mich und das wird immer so bleiben. Der Text soll auch nur eine Momentaufnahme eines weniger angenehmen Shootings darstellen. Ich habe ja auch schon bessere Erfahrungen gemacht :)

      Liebe Grüße!

  2. Sarah
    12. März 2013

    Aber der Stress hat sich gelohnt: Das Bild ist wirklich wunderwunderschön! :-)

    • anastasiacharlotte
      13. März 2013

      Vielen, vielen Dank! :)

  3. Neele
    12. März 2013

    Ein wirklich toller Artikel!
    Du hast das Business schnell durchschaut. Ich versuche immer zu erklären, man sich als Model so fühlt, und du hast es genau auf den Punkt gebracht.
    Ich verstehe immer nicht, wieso Fotografen sich und dem Model das Leben so schwer machen. Wenn erst einmal ‚das Handwerk‘ erklärt wird, fällt es einem gleich viel leichter. Ich finde es seltsam, wenn die Fotografen nicht mit dem Model reden, denn man kann nicht sehen was der Fotograf auf seinem Bild hat. Meiner Meinung nach hilft in so einer Situation nur viele verschiedene Ausdrücke und Posen anzubieten, aber dafür muss man schon routiniert sein.
    Aber es hat sich ja gelohnt, ein wirklich schönes Bild!
    Liebe Grüße

    • anastasiacharlotte
      14. März 2013

      Liebe Neele, danke für deinen Kommentar!
      Ich freu mich wirklich sehr, dass du Dir die Zeit genommen hast hier vorbei zu schauen :)
      Das erschreckende ist, dass der Fotograf zumindest hier in Hamburg, einen ganz guten Ruf genießt, dem er meiner Meinung nach nicht gerecht wird. Aber vielleicht war ihm so ein Testshooting auch einfach nicht wichtig genug.
      Es ist auf jeden Fall schade, wenn einem die Freude am Modeln durch solche Begegnungen genommen wird. Dabei ist es so einfach, eine angenehme Atmosphäre am Set zu schaffen.

      Danke dir und liebe Grüße!

  4. Yvi
    12. März 2013

    Ein wirklich tolles Bild! Darüber kannst du dich sicher noch lange freuen :-) Ich finde deinen Text sehr interessant. Man hat zwar immer eine ungefähre Ahnung, wie das im Hintergrund wirklich abläuft, aber man ist ja normalerweise nicht selbst dabei. Toll, dass du diese Erfahrung mit uns teilst! Wenn ich deinen Bericht so lese, habe ich fast das Gefühl, selbst dabei gewesen zu sein :-)

    • anastasiacharlotte
      14. März 2013

      Liebe Yvi,
      danke, dass freut mich zu hören. Ich hatte schon befürchtet, dass sich niemand einen so langen Text durchlesen würde 😀

  5. Terrorbambi
    12. März 2013

    Den Artikel habe ich neulich schon im Stillen gelesen. Wirklich sehr gut geschrieben – ich konnte mich perfekt in dich hineinversetzen. :)
    & dein Bild ist Zucker!

    Dankeschön für deinen lieben Kommentar. Ich bin auch ganz vernarrt in meinen Pulli – nur leider ist er momentan viel zu dünn. Ich will Früüühling! 😀

  6. Maddie
    13. März 2013

    Erstmal danke für deinen lieben Kommentar! Und echt gut geschrieben der Artikel, ich kenne die Problematik als Fotografin nur zu gut. Models werden vorallem hier in Mailand wie Ware behandelt, unglaublich… DARIADARIA

  7. Annie
    15. März 2013

    woooow, das resultat ist umwerfend!

    X, Annie

  8. Kia
    25. Mai 2013

    Huch warum hab ich das vorher noch gar nicht gesehen?
    Mega schönes Foto, da hat sich der Stress definitiv gelohnt! :)

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